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Sprache & Gesellschaft · Leitfaden

Wörter des Jahres: Was die GfdS kürt und was die Liste aussagt

Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt Wörter, die ein Jahr prägen. Die Auswahl misst weder die häufigsten Wörter noch eine amtliche Sprachregel.

Die kurze Antwort

Die GfdS kürt seit 1977 zehn Wörter und Wendungen, die das gesellschaftliche Leben eines Jahres besonders geprägt haben. Für 2025 steht „KI-Ära“ auf Platz eins. Die Liste ist eine sprachliche Zeitdiagnose, kein Häufigkeitsranking und keine Empfehlung, ein Wort künftig zu benutzen.

Was die Aktion der GfdS auswählt

Die Gesellschaft für deutsche Sprache sammelt Belege aus Medien und Einsendungen und wählt kurz vor Jahresende zehn Ausdrücke. Entscheidend ist laut GfdS nicht, welches Wort am häufigsten vorkommt, sondern welche Wörter und Wendungen das öffentliche Leben und die Diskussion eines Jahres besonders charakterisieren. Das macht die Liste zu einer Auswahl mit Begründung, nicht zu einem Wörterbuch der meistgesprochenen Begriffe.

Die Ausdrücke erhalten auch keine amtliche Wertung als gut, schlecht oder korrekt. Ein Wort kann auf die Liste kommen, weil es eine Debatte bündelt, eine neue Wortbildung zeigt oder eine politische Entwicklung markiert. Wer die Liste in einem Text nutzt, sollte die Begründung der Jury mitnennen, statt aus dem Platz eine allgemeine Sprachregel abzuleiten.

Die aktuelle Liste: Wort des Jahres 2025

Die GfdS wählte „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025. Auf den folgenden Plätzen standen „Deal“, „Land gegen Frieden“, „Sondervermögen“, „Wehrdienst-Lotto“, „Drohnisierung“, „Strafzölle“, „Wohlstandsverlust“, „klimamüde“ und „Vertiktokung“. Die Jury verknüpfte „KI-Ära“ mit dem Eintritt künstlicher Intelligenz in viele Alltagsbereiche und damit verbundenen Chancen und Risiken.

Die Liste zeigt auch, wie neue Komposita und humorvolle Bildungen öffentliche Themen verdichten. „Vertiktokung“ etwa bündelt eine Entwicklung im Mediengebrauch und demonstriert produktive Wortbildung. Daraus folgt nicht, dass jede Person das Wort verwendet oder dass es dauerhaft Teil des allgemeinen Wortschatzes wird. Die GfdS selbst weist darauf hin, dass sich das nicht vorhersagen lässt.

Wort des Jahres und Unwort auseinanderhalten

Das Wort des Jahres und das Unwort des Jahres sind zwei unterschiedliche sprachkritische Aktionen mit eigenen Jurys und Kriterien. Die GfdS-Aktion fragt nach Ausdrücken, die ein Jahr geprägt haben; das Unwort kann problematische oder irreführende Verwendung kritisieren. Ein Wort kann daher gesellschaftlich wichtig sein, ohne dass die Jury seine Nutzung empfiehlt. Prüfen Sie bei Zitaten immer die zuständige Institution und den jeweiligen Jahrgang.

Für eine Unterrichts- oder Redaktionsübung legen Sie drei Spalten an: Ausdruck, zugrunde liegendes Ereignis, Begründung der Jury. Ergänzen Sie eine vierte Spalte mit einem eigenen Gegenargument oder einer alternativen Deutung. So wird deutlich, dass die Auswahl eine begründete Perspektive darstellt, aber nicht die einzige mögliche Sicht auf das Jahr.

Die Liste als kleine Sprachzeitreise nutzen

Wählen Sie zwei Jahrgänge und vergleichen Sie die Wörter. Welche Themen bleiben, welche verschwinden? Welche Begriffe sind Komposita, Abkürzungen oder englische Wörter? Suchen Sie die Originalbegründungen, damit Sie nicht nur die Schlagzeile vergleichen. Vermerken Sie Jahr und Quelle; eine aktuelle Top-zehn-Liste verändert sich jedes Jahr.

Wer eine Kandidatin für das persönliche Wort des Jahres sucht, kann ein Wort aus dem eigenen Alltag wählen und in drei Sätzen begründen: Wo begegnete es mir? Welche Erfahrung fasst es zusammen? Welche Nebenwirkung hat seine Verwendung? Das persönliche Ergebnis muss nicht mit der Jury übereinstimmen. Gerade die Begründung macht aus einer Lieblingsvokabel eine nachvollziehbare Mini-Zeitdiagnose.

Häufige Fragen

Was war das Wort des Jahres 2025?

Die GfdS wählte „KI-Ära“. Die weiteren neun Plätze und die Jurybegründungen stehen auf der offiziellen GfdS-Seite zum Jahrgang 2025.

Ist das Wort des Jahres das meistgesprochene deutsche Wort?

Nein. Die GfdS sagt ausdrücklich, dass nicht Häufigkeit, sondern die Bedeutung für das jeweilige Jahr entscheidend ist.

Quellen & Weiterlesen

Die verlinkten Originalquellen ermöglichen dir, die Angaben und ihren jeweiligen Kontext nachzulesen.